Food Waste: Was man in Bonn gegen Lebensmittelverschwendung tun kann

Food Waste: Was man in Bonn gegen Lebensmittelverschwendung tun kann

Fair Trade Town und Bio-Stadt: In vielerlei Hinsicht ist Bonn ein Nachhaltigkeitsstandort. Neben einem hohen Potenzial für Sonnenenergie und einer langen Abfalltrennungs-Tradition gibt es hier zahlreiche Initiativen und Aktionen mit zukunftsweisendem Charakter – auch im Hinblick auf Abfallvermeidung. Schon im Mai 2019 ist die Stadt der Prevent Allianz zur Müllvermeidung beigetreten. Abgesehen von diesem Engagement für Recycling und Kreislaufwirtschaft stärkt man sich vor Ort längst auch für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln. Sowohl im Hinblick auf den Kauf saisonaler Zutaten aus der Region als auch ihre möglichst vollständige Verwertung. Denn im Kampf gegen den Klimawandel ist nicht nur wichtig, was auf den Teller kommt – sondern auch, was nicht.

Klimabelastung durch entsorgtes Essen: Wie weniger anfällt

Nahrungsmittelverschwendung ist in Zeiten des Klimawandels ein ernstzunehmendes Problem. Die meisten Verbraucher denken bei CO2-Emissionen noch immer zuerst an Faktoren wie die Mobilität, zu viel Plastikmüll oder den Energieverbrauch. Dabei vergessen sie oft, dass auch Lebensmittelabfälle eine nicht zu unterschätzende CO2-Belastung verursachen. Tatsächlich ist weggeworfene Nahrung laut den Vereinten Nationen der drittgrößte Emissions-Treiber überhaupt. Pro entsorgtem Kilogramm Lebensmittel fallen durchschnittlich 2,5 Kilogramm CO2-Äquivalente an. Wenn, wie die Welthungerhilfe angibt, wirklich je ein Drittel des Wocheneinkaufs in deutschen Mülltonnen landet, ergibt sich daraus eine erschreckende Bilanz. Denn im Jahresdurchschnitt werfen Bundesbürger pro Kopf über 70 Kilogramm Lebensmittel weg und verursachen dementsprechend mehr als 185 Kilogramm CO2-Emissionen. Entsorgt wird vor allem Obst und Gemüse, gefolgt von Zubereitetem sowie Brot- und Backwaren. Nicht immer sind die Abfälle auch wirklich verdorben. Schon beim Schälen von Karotten und Co entsteht Lebensmittelmüll – obwohl die Schalen eigentlich essbar wären. Noch mehr Abfall verursacht falsche Mengenplanung beim Kochen. Dabei wäre es so leicht, Lieblingsgerichte mit genauen und bedarfsgerechten Mengenangaben zu kochen. In Bonn können Verbraucher besonders viel gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln tun. Denn hier gibt es Konzepte wie Foodsharing.

Foodsharing in Bonn: Teilen statt verfallen lassen

Jeder kauft manchmal zu viel ein und kann nicht alle gekauften Zutaten verbrauchen, bevor sie verderben. Vor allem, weil sich im Supermarkt einige Lebensmittel nur in relativ großen Mengen kaufen lassen. Ein Beispiel dafür ist der Kauf eines ganzen Kohlkopfes für ein Einpersonengericht. Wer zu viel kauft oder spontan doch im Restaurant bestellt, obwohl der Kühlschrank voller verderblicher Nahrungsmittel ist, hat in Bonn die Möglichkeit, Foodsharing zu betreiben. Auf Foodsharing.de können Interessenten Essenskörbe hochladen, die sie mit der Nachbarschaft teilen wollen. Anderen Community-Mitgliedern aus der Nähe werden die Nahrungsmittel so auf einer Karte angezeigt. Bei Interesse holen sie den Essenskorb einfach ab. Nicht nur an Privathaushalte wendet sich die Initiative, sondern auch an Restaurants, Eventveranstalter und Supermärkte. Dort fällt nämlich am meisten Lebensmittelmüll an.

Achtung: Mindesthaltbarkeit ist kein Fixpunkt

Nur wegen eines erreichten Haltbarkeitsdatums Lebensmittel zu entsorgen, ist Verschwendung. Einige Tage darüber liegen können die meisten Produkte, ohne zu verfallen. Ein Sicht- und Geruchstest gibt Aufschluss.

Kochboxen im Bonner Raum: Genau bemessene Zutaten liefern lassen

Genauso gut wie das Foodsharing-Konzept funktionieren gerade bei frischen Zutaten auch Kochboxen. Anbieter wie HelloFresh liefern jene nach der Auswahl einzelner Gerichte durch den Verbraucher genau passend zur jeweils angegebenen Personenzahl aus. So muss ein Single-Haushalt gar nicht erst einen ganzen Kohlkopf kaufen, nur weil man ausnahmsweise einen Krautsalat zubereiten möchte. Wenn Verbrauchern trotzdem etwas übrigbleibt, weil sie kleinere Portionen gewohnt sind als der Durchschnitt, können sie den Rest immer noch einfrieren oder am nächsten Tag Resteküche betreiben.

Kleine Restekunde: Übriggebliebenes haltbar machen

In der Vergangenheit waren Konservierungsmethoden für einzelne Lebensmittel noch eine gern genommene Möglichkeit, um Abfall zu reduzieren. Angesichts des heutigen Überangebots haben viele Verbraucher das Konservieren verlernt. Über Frosten und Einfrieren gehen die Bemühungen nur selten hinaus. Wer so wenig wie möglich entsorgen möchte, sollte zusätzlich

  • zu viel gekauftes Obst einblitzen (durch Einkochen konservieren).
  • übriges Gemüse vergären (milchsauer einlegen).
  • Fleisch vor dem Verderben salzen.
  • Fisch rechtzeitig räuchern.
  • Früchte mit Zucker kandieren.
  • Gemüse, Obst und Fleisch trocknen.

Vorsicht: Unabhängig von der Konservierungsmethode sollten Verbraucher nicht zu lange warten. Haben sich erst Fäulnisbakterien angesiedelt, hilft auch die Konservierung kaum. Um Waren unabhängig von ihrem Haltbarkeitsdatum auf ihre Verträglichkeit einzuschätzen, verlassen sich Konsumenten am besten auf ihre Sinne. Hat sich der Geruch verändert? Gibt es farbliche Veränderungen? Ist die Konsistenz des Lebensmittels beim Anfassen noch dieselbe? Milchprodukte verändern beim Verfall beispielsweise deutlich ihre Konsistenz. Im Zweifelsfall gibt ein Geschmackstest Aufschluss über den Zustand der Nahrungsmittel. Hierbei Achtung: Zu viel zu probieren, ist nicht empfehlenswert. Menschen mit empfindlichem Magen würden mit Beschwerden reagieren, falls das Lebensmittel tatsächlich nicht mehr essbar ist.