Untere Naturschutzbehörde der Stadt Bonn: Naturschutzgebiete im „Freizeitstress“

Insbesondere seit Beginn der Corona-Pandemie suchen immer mehr Menschen die grünen Bereiche der Stadt auf. Nicht alle halten sich dabei an die Regeln, die in Naturschutzgebieten gelten. Deshalb informiert die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Bonn über die richtigen Verhaltensweisen zum Beispiel bei einem Besuch der Siegmündung und des Ennerts.

Für alle Naturschutzgebiete gelten die gleichen allgemeinen Regeln: Auf den Wegen bleiben, keine Tiere stören, keine Pflanzen entfernen, Hunde anleinen, nur auf den dafür vorgesehenen Wegen Fahrrad fahren. Diese Regeln sind die zwingende Voraussetzung dafür, dass ein Zusammenleben von Mensch und Natur funktioniert und Erholungssuchende in den Schutzgebieten genauso zu ihrem Recht kommen wie die dort lebenden geschützten Pflanzen und Tiere.

Die Siegmündung
Die Siegmündung gilt nach europäischem Recht als streng geschütztes Fauna-Flora-Habitat (FFH) Gebiet, in dem seltene Fisch- und Vogelarten leben. Zum Schutz der Tiere darf das Flussufer nur im Bereich der Siegfähre betreten werden. Der Rest des Siegufers auf Bonner Stadtgebiet wird zum Beispiel von Eisvögeln als Brutgebiet genutzt und ist somit für den menschlichen Besuch tabu. Der Eisvogel oder andere Vogelarten werden durch Erholungssuchende am Ufer und abseits der Wege sehr leicht gestört und damit vertrieben. Genauso können die Eier seltener Fischarten wie Groppe und Bachneunauge zerstört werden, wenn im flachen Wasser gebadet wird.

In den letzten Monaten haben sich viele Badende nicht an die Regeln gehalten und sind nicht nur im erlaubten Badebereich an der Siegfähre sondern im gesamten Flussverlauf geschwommen.

Wie in allen Naturschutzgebieten sind Hunde in der Siegmündung zwar erlaubt, müssen aber angeleint sein. Genauso dürfen Besuchende in der Siegmündung die Wege nicht verlassen – auch nicht auf Trampelpfaden. Das zügige Durchfahren mit Kanu oder Kajak ist auf der Sieg zugelassen. Das gemütliche „Sich-treiben-lassen“ und das Befahren mit Schlauchbooten oder aufblasbaren Schwimmtieren hingegen nicht: Die empfindlichen Wasservögel werden dadurch zu sehr gestört.

Der Ennert
Der Ennert ist eines der ältesten Naturschutzgebiete in ganz Deutschland, wurde als überragender Naturlebensraum vielfach ausgewiesen und dem Schutz von teils extrem seltenen Tier- und Pflanzenarten unterstellt. In den Hängen der Steinbrüche leben zum Beispiel spezialisierte Schlangen-, Vogel- und Heuschreckenarten. Die Tiefen des Dornheckensees beheimaten einmalige und sehr sensible Unterwasser-Arten. In den Laubmischwäldern des Ennerts leben neben Rehen, Dachsen und Füchsen auch Vogelarten wie Uhu und Wanderfalke sowie viele verschiedene Fledermaus- und Amphibienarten – sie sind alle geschützt.

Diese Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Lebensräumen ist jedoch akut bedroht: Die Wege werden immer häufiger verlassen, zum Beispiel um Trails querfeldein mit dem Mountainbike zu fahren oder um die ehemaligen Steinbrüche aus der Nähe zu begutachten. Dies ist nicht nur gefährlich, sondern beunruhigt und stört besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräume von internationaler Bedeutung.