Römer in Bonn: Präsentationsfläche „Didinkirica“ eröffnet

Unter anderem sind Kopien römischer Grabsteine zu sehen. ©Sascha Engst/Bundesstadt Bonn

Die neu gestaltete Präsentationsfläche „Didinkirica“ informiert über das römische Legionslager im heutigen Bonner Stadtteil Castell und das UNESCO-Weltkulturerbe Niedergermanischen Limes in Bonn. Vertreter*innen der Stadt Bonn, des LVR-Landesmuseums Bonn und der Bezirksregierung Köln eröffneten die Fläche an der Graurheindorfer Straße am Montag, 3. Juni 2024. Sie ist ab sofort für angemeldete Besuchergruppen zugänglich.

Der Niedergermanische Limes (NGL) wurde im Juli 2021 in die Liste der Weltkulturerbe-Stätten der UNESCO aufgenommen. Teil der UNESCO-Welterbestätte „Grenzen des Römischen Reiches – Niedergermanischer Limes“ ist auch das Legionslager castra bonnensia im heutigen Stadtteil Bonn-Castell. Als südlichstes der insgesamt vier Legionslager am NGL nahm es einen wichtigen Platz an diesem Grenzabschnitt ein. Mit dem Weltkulturerbe-Status hat es sich die Stadt Bonn zur Aufgabe gemacht, das römische Erbe in Abstimmung mit dem zuständigen LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland (LVR-ABR) sichtbar und erfahrbar zu machen.

Der Niedergermanische Limes war ein bedeutender Grenzabschnitt des Römischen Reiches. Er folgte dem antiken Rheinverlauf und erstreckte sich auf einer Länge von ca. 400 Kilometern zwischen dem heutigen Katwijk (NL) an der Nordsee bis Bad Breisig in Rheinland-Pfalz. Anhand der archäologischen Fundplätze des Niedergermanischen Limes lässt sich in besonderer Weise die Entwicklung einer Grenze des Römischen Reiches sowie das Leben und der kulturelle Austausch in ihrem Umfeld veranschaulichen.

Struktur des römischen Lagers ist im heutigen Straßenbild gut zu erkennen

Das Legionslager in Bonn war eines der größten Lager im Römischen Reich und ist einer von insgesamt 44 archäologischen Fundplätzen in den Niederlanden und Deutschland, die die UNESCO-Welterbestätte „Grenzen des Römischen Reiches – Niedergermanischer Limes“ bilden. Die ehemalige Gliederung der antiken Anlage ist im heutigen Straßenbild noch gut zu erkennen. Das Lagerzentrum befand sich im Bereich der heutigen Kreuzung Römerstraße (ehemals via principalis) und Nordstraße/Badener Str. (letztere: ehemals via praetoria).

„Vor mehr als 2.000 Jahren lebten die Römer in Bonn und haben mit ihrem Legionslager der Stadt eine Struktur gegeben, die noch heute sichtbar ist“, betont Bonns Bezirksbürgermeister Jochen Reeh-Schall das Erbe aus dieser Zeit. „Das Lager markiert den Beginn unserer Stadtgeschichte, und daher freut es mich sehr, dass mit der Präsentationsfläche ein Ort geschaffen wurde, der den Menschen einen Einblick in diese Zeit ermöglicht und die Errungenschaften verdeutlicht, die die Römer uns hinterlassen haben. Auch den politischen Gremien war es immer ein Anliegen, auf diese frühe Stadtgeschichte aufmerksam zu machen, und wir sind froh, dass diesem Wunsch entsprochen wurde.“

Präsentationsfläche macht römische Bodenschätze erfahrbar
Etwa 83 Prozent des Lagers sind bis heute im Untergrund erhalten. Um diese „Bodenschätze“ und den Niedergermanischen Limes erfahrbar zu machen, wurde an der Graurheindorfer Straße 10 eine teilweise überdachte Präsentationsfläche geschaffen. Mehrere Text- und Bildtafeln geben einen Einblick in die Dimension des Lagers und das Leben der Legionäre. Ausgewählte Objekte, wie zum Beispiel Kopien von Grabsteinen, Alltagsgegenständen und die im Jahr 2020/21 geborgenen Teile unter anderem einer nördlich der Alpen selten nachgewiesenen Wandmalerei in einer Soldatenunterkunft, wurden ergänzt. Die Projektkoordination hat die Bonn-Information des Amtes für Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn in enger Abstimmung mit dem zuständigen LVR-ABR und dem LVR-Landesmuseum Bonn (LVR-LMB) übernommen. „Die Zusammenarbeit mit dem LVR war von einem hohen Engagement aller Beteiligten geprägt“, lobt Victoria Appelbe, Wirtschaftsförderin der Stadt Bonn, die gute Zusammenarbeit. „Ergänzt durch die verwaltungsinterne Unterstützung einzelner Fachämter sowie die Beteiligung externer Partner konnte die Bonn-Information dieses Projekt professionell umsetzen. Mit der Präsentationsfläche „Didinkirica“ wurde ein dauerhafter Ort der Wissensvermittlung geschaffen, der Lust auf eine Zeitreise in die Anfänge unserer Stadtgeschichte macht.“

Prof. Dr. Michael Schmauder, Abteilungsleiter für Bestandspflege und Sammlungserschließung im LVR-LMB, hat die fachliche Begleitung zur Errichtung der Präsentationsfläche übernommen. „Es ist erklärtes Ziel des Landschaftsverbandes Rheinland die Vermittlungsarbeit an den Standorten des Niedergermanischen Limes durch das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und das LVR-Landesmuseum Bonn langfristig aktiv zu unterstützten“, so Schmauder. „Die Errichtung und Gestaltung der Präsentationsfläche im Bereich des Legionslagers Bonn ist hier ein besonderes Highlight. Sie versteht sich zugleich als Hinweis auf die reichen Bestände an herausragenden Funden im Landesmuseum, das in seiner neuen Dauerausstellung dem Niedergermanischen Limes zukünftig einen eigenen umfangreichen Themenschwerpunkt widmen wird.“ Die Ausstattung der Präsentationsfläche wäre ohne die großzügige Unterstützung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen nicht möglich gewesen.

Führungen durch das römische Bonn

Die Bonn-Information hat neben der Präsentationsfläche „Didinkirica“ weitere Maßnahmen angestoßen, um das UNESCO-Welterbe Niedergermanischer Limes erlebbar zu machen. So wurden im Mai 2022 mehrere Gästeführer*innen zum Thema „Römer-Führungen“ mit fachlicher Unterstützung der Universität Bonn ausgebildet. Der Rundgang dauert ca. 2 bis 2,5 Stunden und führt im Wesentlichen zu den authentischen Standorten noch sichtbarer Römer-Zeugnisse.

Neben der Bonn-Information haben auch weitere Anbieter Führungen mit dem Thema „Römer in Bonn“ im Programm. Seit vielen Jahren bereits bietet zum Beispiel der Verein von Altertumsfreunden im Rheinland von April bis Oktober monatlich kostenfreie Führungen zum römischen Bonn an. Die Teilnehmenden werden auf eine Zeitreise in die 2.000 Jahre zurückliegende Bonner Vergangenheit mitgenommen und erhalten einen sachkundigen Einblick in antike Militär-, Alltags-, und Kultgeschichte. Die Führung beginnt bei den Resten der römischen Badeanlagen am Collegium Albertinum und endet am Legionslager in der Bonner Nordstadt. Die kommenden Führungen finden am 16. Juni, 14. Juli, 18. August, 8. September (Tag des offenen Denkmals) und 20. Oktober 2024 statt. Anmeldungen nimmt der Verein per Mail an roemischesbonn@gmail.com entgegen.

In Zusammenarbeit mit der Museumspädagogik des LVR-Landesmuseum Bonn entwickelt die Bonn-Information aktuell eine Römer-Rallye für Kinder ab dem Grundschulalter. Die Materialien hierfür sollen zu den Sommerferien vorliegen und bereits eine junge Zielgruppe für das Thema Römer begeistern.

Besuch der Präsentationsfläche nur nach Anmeldung bei der Bonn-Information

Die Präsentationsfläche „Didinkirica“ und die dort zu sehenden Schaubilder und Exponate sind zum Schutz der Ausstellungsstücke hinter einem Zaun gesichert. Zugang zur Fläche erhalten angemeldeten Gruppen nach vorheriger Anfrage bei der Bonn-Information. Von dort wird ein sich regelmäßig ändernder Code für das digitale Schloss ausgegeben. Das Team der Bonn-Information ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr und sonn- und feiertags von 10 bis 14 Uhr erreichbar. Anfragen können per Mail an bonninformation@bonn.de, telefonisch an 0228 – 77 50 00, oder persönlich in der Windeckstraße 1 am Münsterplatz an das Team gestellt werden.

Weitere Informationen zum römischen Erbe Bonns gibt es auf der städtischen Homepage unter www.bonn.de/roemer.

Eröffnung der Präsentationsfläche "Didinkirica" (v.l.n.r.): Prof. Dr. Thorsten Valk, Prof. Dr. Michael Schmauder, Birgit Landsberg, Dr. Erich Claßen, Victoria Appelbe, Sonja Lehnert-Klawa und Jochen Reh-Schall.

Eröffnung der Präsentationsfläche „Didinkirica“ (v.l.n.r.): Prof. Dr. Thorsten Valk, Prof. Dr. Michael Schmauder, Birgit Landsberg, Dr. Erich Claßen, Victoria Appelbe, Sonja Lehnert-Klawa und Jochen Reh-Schall. ©Sascha Engst/Bundesstadt Bonn

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