Neue Ausstellung im Haus der Geschichte beleuchtet die Angst als deutsche Gefühlslage

BONN – Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zeigt vom 10. Oktober 2018 bis 19. Mai 2019 seine neue Ausstellung „Angst. Eine deutsche Gefühlslage?“. Die Schau fragt mit mehr als 300 Exponaten nach kollektiven Ängsten „der“ Deutschen, sie beleuchtet ihre Entstehung sowie Verbreitung im jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Kontext. Auch die Rolle der Medien bei der Verbreitung von Angstgefühlen wird diskutiert.

Viele Deutsche haben Angst – aktuell 63 Prozent vor einer Überforderung durch mehr Asylbewerber und Spannungen durch den Zuzug von Ausländern. Das besagt die repräsentative Studie einer deutschen Versicherungsgesellschaft aus dem Zeitraum Juni/Juli 2018 über die „Ängste der Deutschen“. Die Langzeitstudie ermöglicht auch Aussagen über Veränderungen in der Stimmungslage: So sank die Angst vor Terrorismus von 70 Prozent (2017) auf 59 Prozent (2018).

Das Haus der Geschichte geht in seiner neuen Ausstellung diesen Stimmungen nach und konzentriert sich dabei auf vier Themen – „Zuwanderung“, „Atomkrieg“, „Umweltzerstörung“ und „Überwachung“.

Zuwanderung

Hohe Flüchtlings- und Zuwanderungszahlen in Deutschland lösten bereits in der Vergangenheit Angst und Unsicherheitsgefühle aus. Die Ausstellung setzt sich mit den Reaktionen auf die „Flüchtlingswelle“ 2015 auseinander und zeigt, dass bereits die massive Steigerung der Flüchtlingszahlen Anfang der 1990er Jahre vergleichbare Empfindungen hervorgerufen hat, damals durch den Zustrom von Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland Jugoslawien.

Die Ausstellung beleuchtet in diesem Kontext verschiedene Ängste, etwa die Sorge vor Überfremdung oder zunehmender Kriminalität. Politische und publizistische Debatten um die Reform des Asylrechts befeuerten die Auseinandersetzungen, Schlagworte wie „Das Boot ist voll“ hielten Angstgefühle hoch und trugen zu einer Verschärfung des Meinungsklimas bei.

Atomkrieg

Während des Kalten Krieges erzeugten Pläne über die nukleare Aufrüstung in der Bundesrepublik Ängste vor einem in Deutschland ausgetragenen Atomkrieg. Die Ausstellung analysiert die Debatten in Politik und Gesellschaft im Zuge der Nachrüstungsdebatte 1979 bis 1983 und bei der potenziellen Ausrüstung der Bundeswehr mit atomaren Sprengköpfen 1957/58. Beide Male mobilisierte die Furcht vor der nuklearen Bedrohung die Öffentlichkeit, wenngleich die Art und Weise, in der Teile der Bevölkerung ihrer Angst Ausdruck verliehen, sehr unterschiedlich waren.

Umweltzerstörung

Anfang der 1980er Jahre versetzte die Vorstellung eines großflächigen Waldsterbens die Öffentlichkeit in Panik. Die Ausstellung geht den mannigfaltigen „Rettungsmaßnahmen“ nach und fragt nach den langfristigen Wirkungen.

Eine zweite „Welle der Angst“ löste die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 aus. Die über die Bundesrepublik hinweg ziehende Nuklearwolke verursachte in Teilen der Bevölkerung Angst vor einer Kontaminierung von Menschen, Böden und Lebensmitteln, die durch eine chaotische Informationspolitik der Behörden noch verstärkt wurde.

Überwachung

Die Ausstellung beschäftigt sich auch mit der Angst vor einem „Ausspähen“ der Privatsphäre. Vor dem Hintergrund bereits vorhandener Computerängste weckten die Volkszählung 1983 und Pläne für eine computergestützte Erfassung persönlicher Daten Besorgnisse vor einem „Überwachungsstaat“. Die Ausstellung verdeutlicht, wie sich als Folge das Recht auf informationelle Selbstbestimmung etablierte und wie die Angst vor Datensammlungen erneut im Rahmen der Aktivitäten des Straßenpanorama-Dienstes Google-Street View 2010 emotional befeuert wurde.

Öffnungszeiten

Das Haus der Geschichte in der Willy-Brandt-Allee 14 öffnet jeweils dienstags bis freitags von 9 bis 19 Uhr sowie am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos zur Ausstellung und zum Haus der Geschichte gibt es unter www.hdg.de.