Der Lange Eugen: 50 Jahre Bonner Wahrzeichen

Früher das Abgeordneten-Hochhaus des Deutschen Bundestages, ist der „Lange Eugen“ heute Zentrum des UN Campus und Sitz der Vereinten Nationen in Bonn. Vor 50 Jahren, am 10. Mai 1968, wurde das Richtfest des Abgeordneten-Hochhauses begangen. Seinen Namen verdankt das Gebäude Eugen Gerstenmaier. Gerstenmaier war bis 1969 Bundestagspräsident und ein engagierter Befürworter des Hochhauses.

Provisorischen Charakter sollte das Gebäude haben und später auch für andere Zwecke nutzbar sein – das war der ausdrückliche Auftrag, den Architekt Egon Eiermann 1965 bei der Planung des neuen Abgeordnetenhochhauses in Bonn zu erfüllen hatte. Das Präsidium des Bundestages schlug damals vor, im Falle des Umzuges nach Berlin solle das Gebäude internationalen Organisationen als Sitz angeboten werden. Die ersten Abgeordneten bezogen am 29. Februar 1969 ihre Büros. Auffällig ist, dass die Fassade des „Langen Eugens“ von einem Gitterwerk umfasst wird. Es dient als Sonnenschutz, prägt aber auch das Aussehen des Gebäudes. Nur das 18. Obergeschoss hat keine Sonnenblenden und hebt sich vom Rest des Gebäudes ab. Diese Etage wird als Technikraum genutzt. Auch große Teile der Ausstattung wurden von Eiermann entworfen oder ausgesucht. Dazu gehören auch Kunstwerke, die speziell für das Abgeordnetenhaus entworfen wurden. 1975 wurde eine Notlandeplattform auf dem Dach eingerichtet und vier Jahre später ein Fluchttreppenhaus an der Rheinseite des Hauses angebaut. Seit 1997 steht der Bau unter Denkmalschutz.

Am 11. Juli 2006, nachdem die Bundestagsabgeordneten Bonn verlassen hatten, wurde vor dem „Langen Eugen“ die Flagge der Vereinten Nationen gehisst. Bundeskanzlerin Angela Merkel übergab das nun exterritoriale Gebiet offiziell an UNO-Generalsekretär Kofi Annan.

Obwohl im Zuge der Sanierung von 2002 bis 2006 fast 70 Prozent der Fassade ausgetauscht wurde, ist die Architektur Eiermanns weitestgehend erhalten geblieben. Heute verbindet das 30-stöckige, 117 Meter hohe Haus moderne Infrastruktur mit klassischem Design. Auch die Möblierung der Büros orientiert sich an der Originalausstattung, damit der Stil erhalten bleibt. Das Wahrzeichen ist nicht mehr aus dem Bonner Stadtbild wegzudenken.

Bonn ist deutsche UNO-Stadt

Bonn hat sich seit 1996 erfolgreich ein neues Profil als deutsche Stadt der Vereinten Nationen gegeben. Ein sichtbares Symbol dieser Entwicklung ist der Bonner UN Campus. Der Campus bietet den UN-Organisationen ideale Arbeitsbedingungen und ein synergienreiches Umfeld. Besondere Vorteile liegen in der direkten Nachbarschaft zum World Conference Center Bonn und zu vielen wichtigen Ansprechpartnern. Bonn bietet ein ideales Umfeld für Kooperationen und Kontakte auf kurzem Wege. Heute sind rund 20 Organisationen der Vereinten Nationen mit etwa 1000 Beschäftigten und mehr als 150 nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen in Bonn beheimatet. Bonn wird zum Knotenpunkt eines Netzwerkes, dessen Akteure sich Fragen einer zukunftsfähigen Entwicklung der Welt widmen.