Der andere Luther – Luthers Rezeption in der DDR

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Am 31.Oktober jährt sich zum 500. Mal der Tag, an dem der Mönch und Universitätsprofessor Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasshandels veröffentlichte und damit die Reformation auslöste. Zum ersten Mal seit 60 Jahren wird das Reformations- oder Lutherjubiläum wieder in einem ungeteilten Land begangen. 45 Jahre gab es zwei deutsche Staaten. In dieser Zeit gedachte man auch getrennt der Jubiläen und Gedenktage deutscher Geschichte. Heute gehört der andere deutsche Staat der Vergangenheit an.

Jubiläen haben aber auch die Aufgabe, sich zu erinnern und Geschichte kritisch zu hinterfragen. Wir nehmen das Datum deshalb zum Anlass, um folgenden Fragen nachzugehen: Wie beging man in der DDR die Reformations- und Lutherjubiläen? Welche Rolle spielte die Reformationszeit in der Erinnerungskultur der DDR? Warum setzte sich die SED als atheistische Staatspartei ständig mit dem Kirchenmann Luther und der Reformation auseinander und was bezweckte die DDR mit der Organisation aufwendiger Jubiläumsveranstaltungen?

So viel vorab: Dass die SED die Reformation thematisieren musste, hatte wesentlich zwei Gründe. Zum einen war Luther in der DDR „real anwesend“, denn seine wichtigsten Wirkungsstätten waren auf dem Gebiet der DDR. Und rund 80 Prozent der Bewohner*innen gehörten vor dem Krieg den protestantischen Glaubensgemeinschaften an. Zum anderen hatte Friedrich Engels über die Aufstände und die Reformation gearbeitet. In seiner Schrift „Der Deutsche Bauernkrieg unter dem Eindruck der Niederlage der Revolution von 1848/49“ wertet Engels den Bauernkrieg als die Erste Deutsche Revolution und Thomas Müntzer, den radikalen Prediger aus Thüringen, als die herausragende Gestalt. So begann die Karriere Müntzers als Prototyp des deutschen Revolutionärs. Luther dagegen wurde als Fürstenknecht und Verräter eingeordnet.

Die offizielle Interpretation der Reformation entwickelte sich im Spannungsfeld von Müntzer und Luther und eingebettet in die ideologische Auseinandersetzung zwischen der BRD und der DDR. Unter Berücksichtigung der historischen Forschung und dem geänderten Selbstverständnis der DDR veränderte sich das Bild der Reformation, weg von einem Kirchenereignis, hin zu einem bedeutsamen Vorgang der deutschen Geschichte mit Weltgeltung. Luther wurde vom „Fürstenknecht“ zu einem der größten Söhne der Deutschen und zur identitätsstiftenden Figur der DDR als sozialistischer Nation.

Wer mehr erfahren möchte, kann am kommenden Dienstag, 31. Oktober ab 19:00 Uhr den Vortrag von Walter Siebold zu dem Thema „Der andere Luther – Luthers Rezeption in der DDR“ im Kreisbüro der Bonner LINKEN, Vorgebirgsstraße 24, 53111 Bonn besuchen und anschließend mit ihm diskutieren. Walter Siebold war bis zur Wende historischer Leiter des Bauernkriegdenkmals in Bad Frankenhausen und ist damit ausgewiesener Kenner der Materie.

Wann? Linksbüro, Vorgebirgsstraße 24, 53111 Bonn
Wann? Dienstag, 31. Oktober 2017, 19:00 Uhr
Wer? Referent: Walter Siebold

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